3. April 2017

Corky (II) – von der Freiheit, in die Gefangenschaft!

 

Corkys traurige Geschichte

Corky hält auch einen Weltrekord – nur dieser ist sehr traurig. Sie ist die am längsten in Gefangenschaft gehaltene Orcadame. Corky wurde im Nordostpazifik geboren und gefangen. Ihre Familie ist den Wissenschaftlern bekannt und wird unter der A23 Linie geführt. Sie gehört zum A5 Pod. Ihre Mutter hieß Stripe (A23). Sie muss heute mit Orcas in Sea World zusammenleben, die sie nicht wirklich kennt. Mittlerweile ist sie auf einem Auge blind und ihre Zähne sind im schlechten Zustand. Innerhalb von 10 Jahren hat sie sieben Kälber zu Welt gebracht und verloren.

Zu ihrer Geschichte:

Corky wurde ca. 1964 als freier Wal im Nordostpazifik geboren. Ihre Mutter (A23) nannte man Stripe. Corky war Stripes erstes Kalb. Weitere Geschwister von Corky wurden später geboren, doch Corky hat davon nichts mitbekommen. Am 11. Dezember 1969 zog ein starker Sturm im Nordostpazifik auf und Corkys Familie entschloss sich im Hafen von Pender Schutz zu suchen.

Der Pod bestand damals noch aus 18 Mitgliedern.

Ein schwerer Fehler…  

Die Fischer im Hafen bemerkten die Walgruppe und fingen in dieser Nacht 7 Wale dieser Familie. Darunter auch Corky. Von da an, veränderte sich ihr Leben von Grund auf. Die Fischer bekamen viel Geld für einen Orca und so verkauften sie alle Wale. Sie wurden am nächsten Tag auf Trucks verladen, auf Fähren verschifft und mit Flugzeugen abtransportiert. Eine sehr beschwerliche Reise für die Schwertwale. Ihr Ziel: Marineland Palos Verdes in der Nähe von Los Angeles. Vom grenzenlosen Ozean…  in ein Betonbecken. Vom Meeresrauschen…  zu Filteranlagenlärm und Musik aus Lautsprechern. Von Klippen…  zu Betonwänden. Corky war gerade einmal 4 Jahre alt.

Dort verbrachte Corky jetzt ihre ersten Jahre. Am Anfang noch mit einigen Orcas aus Ihrer Familie; doch 1972 waren fast schon alle ihrer Verwandten tot. Nur einer lebte noch – ihr Cousin Orky.

Corky – die Geburtsmaschine

Ihr Cousin war auch gleichzeitig der Vater all ihrer Kälber. 10 Jahre lang war Corky fast ununterbrochen trächtig, doch alle Kälber starben innerhalb kurzer Zeit. Das erste Kalb wurde am 28. Februar 1977 geboren. Kurz nach der Geburt half Orky dem jungen Kalb an die Wasseroberfläche, damit es seinen ersten Atemzug machen konnte. Niemand wusste bis dahin, dass sie trächtig war. Dieser kleine Junge war auch der erste Wal, der in Gefangenschaft geboren wurde.

Das Kalb konnte bei seiner Mutter nicht trinken und man versuchte ihn durch Menschenhand am Leben zu erhalten. Er verlor aber ständig an Gewicht und nach 16 Tagen ist er gestorben. Kurz darauf war sie wieder trächtig und gebar erneut ein Kalb: Spooky. Spooky wurde am 31. Oktober 1978 geboren und wieder war es ein Männchen. Auch hier gelang das Säugen nicht. Um ihn mit der Hand zu füttern, holten sie Spooky aus dem Becken und trennten ihn von Corky.

Daraufhin warf Corky ihren Körper ca. eine Stunde lang ständig gegen die Beckenwand. Danach lag sie dann 3 Tage und Nächte auf dem Boden und tauchte nur kurz zum Luft holen auf; auch das Futter hat sie verweigert.  Orky holte sie schließlich aus ihrer Trauer.  Die Trainer lernten ihr danach, ihre Zitzen zu präsentieren, damit ein weiteres Kalb die Chance hat gesäugt zu werden. Denn Corky musste ihre Jungen jedes Mal daran hindern beim Schwimmen gegen die Beckenmauer zu stoßen. Dadurch konnte sie nicht die Säugestellung einnehmen. Säugende Kälber orientieren sich an den hellen Zitzen, die ihnen angeboten werden. Bei Corky orientierten sich die Kälber aber an ihrem weißen Augenfleck, den sie vor Augen hatten und fanden die Zitzen nicht. Spooky starb nach 11 Tagen.

Das nächste Kalb am 11. April 1980 war eine Totgeburt. Das Kalb war sieben Monate zu früh dran.

Am 18. Juni 1982 brachte Corky ihre Tochter Kiva zur Welt. Sie überlebte am Längsten – ganze 47 Tage. Sie wurde auch mit der Flasche gefüttert, aber zuerst verblieb sie im Becken bei Corky. Eines Tages rammte Corky ihrer Tochter in den Bauch. Als die Pfleger ans Becken kommen, zeigt sie das erste Mal Aggressivität gegen ihre Pfleger. Sie nahmen daraufhin Kiva aus dem Becken. Wenige Tage darauf, starb Kiva. Bei der Autopsie stellte man fest, dass sich Gas angesammelt hatte. Die Frage… – wollte Corky mit dem Rammen erreichen, dass das Gas bei Kiva entweicht?

Ein weiteres Kalb – am 22.Juli 1985, ein Weibchen – starb auch innerhalb eines Monats. Hier waren es auch wieder Probleme mit dem Säugen. Und ein weiteres Kalb fand man am 27. Juli 1986 auf dem Grund des Beckens. Hier handelte es sich erneut um eine Totgeburt.

  • 02.1977: männlich, erster lebender Orca – der in Gefangenschaft geboren wurde. Alter: 16 Tage
  • 10.1978: männlich, Spooky, Alter: 11 Tage
  • 04.1980: Totgeburt
  • 06.1982: weiblich, Kiva, Alter: 47 Tage
  • 07.1985: weiblich, Alter: 30 Tage
  • 07.1986: Totgeburt

Ihre Reise geht weiter

1987:

Orky und Corky ziehen nach San Diego ins „Sea World“ um. Ein Jahr vorher – 1986 – starb dort Corky I, über die nicht viel bekannt war. Corky I wurde von nun an durch Corky II ersetzt.

(In Sea World werden alle Wale in den Shows Shamu genannt. Die einzige und echte Shamu war Sea Worlds erster Wal und starb dort in Gefangenschaft. Damit die Leute nicht erfahren, dass Shamu gestorben war, wurden alle weiteren Orcas ebenfalls Shamu genannt. Auch Corky und Orky traten

von nun an unter den Namen Shamu auf.)

Hier in San Diego hatte Corky noch eine weitere Fehlgeburt. Im Alter von 21 Jahren konnte sie keine weiteren Kälber mehr bekommen. Sie nahm dann weiterhin an Shows Teil und spielte den Clown für das zahlende Publikum.

1988 verstarb Orky… und Corky war auf sich allein gestellt. Die anderen Orcas verstanden Corky nicht, da sie einen anderen Dialekt sprach. Ständig waren – und sind – die Orcas von Sea World in Streit, der nicht selten mit schweren Verletzungen oder sogar mit toten Orcas endete.

1989

Corky und ein anderes isländisches Orca Weibchen „Kandu V“ konnten sich nicht ausstehen. Ständig gab es Spannungen zwischen den beiden. Und eines Tages griff Kandu Corky in einer Show an. Dabei verletzte sich Kandu so schwer am Kiefer, dass ein Knochenstück ihre Arterie traf und sie verblutete während der Show. Auch Corkys Gesundheitszustand ging von da an ständig bergab. Trotzdem nahm sie Kandus Kalb an, das zu dem Zeitpunkt erst ein Jahr alt war. Sie kümmerte sich wie eine Mutter um das Kalb.

Corkys Nieren arbeiten nun nicht mehr richtig, ihre Zähne sind abgeschliffen und sie erblindet auf einem Auge. Sea World bezeichnet ihren Gesundheitszustand für sehr schlecht und meinte dazu, sie sei eben schon ein alter Wal. Sie war bis dahin 35 Jahre alt. Den Leuten wird erzählt, dass ein Wal nur 40 Jahre alt wird, aber in Wirklichkeit gibt es auch Wale mit 90 Jahren (was allerdings sehr selten vorkommt). Sie wird eine zeitlang geschont und hat nicht mehr viel Auftritte. In dieser Zeit dreht sie ihre Runden in einem kleinen Becken mit zahlreichen anderen Orcas und schwimmt monoton umher.

Im Jahr 2001 wurde sie wieder voll eingesetzt und dreht bis heute Ihre Runden in Sea World.

Und Ihre Familie in Freiheit?

Corkys Familie bestand 1960 aus 18 Schwertwalen. 1986 und 1969 wurden insgesamt 12 Wale gefangen, Corky ist die einzige, die so lange in Gefangenschaft überlebt hat. Es hat lange gedauert, bis die Familie diese Verluste verkraftet hatte. Die Mutter von Corky (A16) – Stripe (A23) – starb im Jahr 2000. Heute zählt man 13 Orcas im A5 Pod (einschl. Corky). Unter den Walen sind auch noch immer ihre Schwester Ripple (A43) und ihr Bruder Fife (A60). Das jüngste Kalb wurde 2014 geboren. Noch immer zieht die Familie zwischen Johnstone Strait und Blackfish Sound umher… doch nahe Pender Harbour hat man sie nie wiedergesehen!

Corky und die Freilassung – sie hat nicht mehr viel Zeit!

Corky ist schon sehr, sehr lange in Gefangenschaft. Viele Menschen fordern (wie auch bei Keiko) ihre Auswilderung. Bei Keiko hat es nicht funktioniert und Corky ist noch länger in Menschenhand, als es Keiko war und doch hat sie evtl. eine Chance. Denn man weiß wo ihre Familie lebt. Und sie hat auf Tonbandaufnahmen, die man ihr vorspielte, reagiert. Somit hat sie ihre Muttersprache wohl noch nicht verlernt.  Als sie die Stimmen hörte, fing sie an am ganzen Körper zu zittern. Noch nie wurde so etwas beobachtet. Das ist so traurig. Deshalb, ein Versuch wäre es wert und Sea World sollte sie endlich frei geben… sie sind es ihr schuldig. Auch wenn Corky nicht mehr in ihren Pod zurückkehren könnte, so sollte man ihr aber trotzdem die Möglichkeit geben, dass sie in heimischem Gewässer in Kanada schwimmen kann. Mit Meeresrauschen, Gischt und Wellen im natürlichen Meerwasser mit vielen Eindrücken und Erlebnissen.

Der Orca-Experte und Wissenschaftler, Dr. Paul Spong und seine Frau Helena Symonds, sowie die WDC (Whale and Dolphin Conservation) – die Corkys Familie kennen – haben Sea World einen Vorschlag gemacht. Sie möchten Corky in ein umzäuntes Meeresareal bringen, dass an der Wanderroute von Ihrer Familie liegt. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass Corky ihre Geschwister kennen lernen könnte.

Falls es mit der Auswilderung nicht klappen würde, so wäre für Corky ein Leben in einem mehrere tausend Quadratmeter großen und natürlichen Meeresareal gesichert. Die WDC, Dr. Paul Spong und Helena Symonds bemühen sich sehr, doch Sea World weigert sich und möchte diesem Vorschlag nicht zustimmen.

Es wurden Aufrufe gestartet, Demonstrationen und Proteste durchgeführt, Plakate machten aufmerksam, es wurden Lieder getextet, im Internet wurde geschrieben und geschrieben und ein Aufruf nach dem anderen wird gestartet. Sea World wurde gebeten und gedroht. Doch bis jetzt schaut Sea World weg.

Bitte helft mit, damit Corky eines Tages Sea World verlassen kann!
Corky sollte nicht in Sea World bleiben. Das Meeresareal wäre eine gute Möglichkeit noch ein bisschen Lebensqualität für Corky zu sichern.

Wann werden die Menschen endlich verstehen… – Orcas leben in Ozeanen und nicht in Betonbecken!!!
delfinhilfe-logo

Kategorien

Walschutz-Organisationen

wdc

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

dreizehn − 11 =

Corky

Corky – von der Freiheit, in die Gefangenschaft! Corkys traurige Geschichte. Corky hält auch einen Weltrekord – nur dieser ist sehr traurig. Sie ist die am längsten in Gefangenschaft gehaltene Orcadame. Corky wurde im Nordostpazifik geboren und gefangen. Seit 1969 lebt sie in Gefangenschaft.