28. Dezember 2017

Vergangenheit und Gegenwart!

Die Evolution der Wale!

 

Waren unsere heutigen Wale früher Urzeittiere?

Vermutungen, Fossilienfunde, Molekularbiologie… – viele Meinungen und wenig Beweise!

Die Vorfahren der Wale:

Fossilie Delfin - altes Bild

Fossilie Delfin – altes Bild © Thomas Henningsen

Schon in früheren Zeiten wurde geforscht; von wem stammen die Wale ab, wie alt sind sie und wo lebten sie? Viele Fossilien, Hinweise und Untersuchungen, doch so richtig konnte man sich auf ein abschließendes Ergebnis – bis heute nicht – einigen.
Doch in den letzten Jahren haben viele spektakuläre Fossilienfunde dazu geführt, dass die Evolution der Wale ein „bisschen“ besser aufgeklärt werden konnte.
Natürlich auch, durch heutzutage mögliche Molekularbiologie.
Selbst die Systematik der Wale, die Einordnung der Arten, Unterarten und Familien, wird immer wieder einmal geändert, weil neue Erkenntnisse hinzugewonnen werden.

Lange herrschte die Meinung, dass Wale von Wölfen abstammen, das stimmt natürlich nicht.
Die Wissenschaftler Flower (1884), Slijper (1973) und Thenius (1979) gingen davon aus, dass die Vorfahren der Ur-Wale in der Kreidezeit lebten und Säuger waren, die sich dann dem Wasser angepasst haben.

Delfin Urtier

Delfin Urtier

Die Wissenschaftler Albrecht und Hertwig (1886) und Remane et al. (1976) meinten, dass die Vorfahren noch älter waren und sich erst, als sie sich schon dem Wasser angepasst hatten, zu Säugetieren wurden. Sie wurden den warmblütigen Reptilien zugeordnet. Fundorten zufolge geht man davon aus, dass die ersten Vorfahren an der Küste des damaligen Tethysmeeres lebten (dieser Ozean verschwand zum größten Teil, als Afrika und Indien mit Eurasien kollidierten). Demnach würden die Wale von einem Urtier abstammen, das eng mit Paarhufern verwandt war.

Paarhufer sind Säugetiergruppen. Heute kennen wir zum Beispiel: Rinder, Schweine, Kamele, Ziegen und Schafe. Auch gehören Tiere wie Giraffen, Hirsche, Antilopen und Flusspferde dazu. Funde von Fossilien, die erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts entdeckt wurden und die heutige Molekularbiologie, Immunologie untermauern diese Vermutung.

Somit würde die Geschichte der Wale vor etwa 50 Millionen Jahren beginnen.

Pakicetus

Pakicetus - Skelettrekonstruktion im Royal Ontario Museum

Pakicetus – Skelettrekonstruktion im Royal Ontario Museum Bildquelle: wikipedia.org

Der Vorfahr der Wale war also ein Tier mit Namen Pakicetus. Dieses Tier hatte in etwa die Größe eines mittelgroßen Hundes. Seine Beine waren lang und dünn, die unten behufte Zehen hatten. Sein Kopf war klein und seine Schnauze spitz zulaufend. Der Schwanz war dünn aber lang. Pakicetus war schon relativ gut an ein Leben im Meer angepasst. Insbesondere, was die Jagd im Wasser anging.

Seine Augen waren schon bemerkenswert weit oben, wie bei anderen Tieren, die sich zeitweise im Wasser aufhielten. Die Kiefer waren ebenfalls schon gut auf das Fangen von Fischen ausgelegt.

Durch viele weitere Fossilienfunde, die am Rande des Tethysmeeres gefunden wurden, weiß man heute sehr viel über Pakicetus.

Ambulocetus

Ein weiterer Vorfahr der bekannt wurde, ist Ambulocetus natans. Er lebte vor ca. 49 Millionen Jahren. Dieser war noch viel besser an das Wasser angepasst, als Pakicetus. Es war ein sehr großes Tier mit einer Länge von bis zu 3 Metern. Er hatte einen riesigen Kopf, seine Augen lagen sehr weit oben und sein Kiefer war sehr lang gezogen. Er „ähnelte“ einem Krokodil und hatte sehr kurze Vorderbeine, sowie lange Hinterbeine. Sein Schwanz war sehr kräftig. Die langen Hinterbeine hat er zusammen mit seinem dicken kräftigen Schwanz zur Fortbewegung im Wasser genutzt. Ob die Hinterbeine bereits Schwimmhäute besaßen, ist nicht geklärt – aber anzunehmen. Ambulocetus robbte an Land, denn das Laufen war ihm nicht so gut möglich.
Seine Ohren waren nicht mehr so wie bei einem Landtier. Wahrscheinlich besaß er schon keine äußeren Ohrmuscheln mehr. Ambulocetus konnte sowohl im Süß-, als auch im Salzwasser schwimmen und jagen. Zu seiner Beute zählten Fische und andere Wirbeltiere.

Nach Ambulocetus folgten sehr viele Arten und Unterarten, die zwar noch einige Merkmale wie Ambulocetus aufwiesen, sich aber natürlich weiterentwickelt haben. Es würde aber den Rahmen hier sprengen, alle zu beschreiben, denn es geht hier um viele Jahr Millionen.

Maiacetus innus

Maiacetus - Nachbildung

Maiacetus – Nachbildung Bildquelle: wikipedia.org

Deshalb weiter mit Maiacetus innus. Über ihn ist sehr viel bekannt, da man ein gut erhaltenes Fossil gefunden hat und seine Anatomie sehr genau beschrieben wurde. Er war groß und kräftig und wog ca. 300 kg. Seine Augen wanderten schon wieder weiter nach unten. Ungefähr auf die Position, wie bei den heutigen Walen. Maiacetus hatte viel kürzere Hinterbeine und kurze Zehen, aber sein Schwanz blieb kräftig und wurde breiter. Wahrscheinlich wurde er schon als Hauptantrieb genutzt.

Die Nasenöffnungen waren schon sehr weit nach hinten gerutscht. Seine Zähne glichen noch dem eines Raubtieres, mit spitzen Eckzähnen. Maiacetus konnte sich noch an Land fortbewegen, dürfte aber schon sehr schwer fällig gewesen sein. Er lebte ca. vor 47 Millionen Jahren und wurde in Pakistan gefunden.

Viele weitere Fossilienfunde folgten. Diese lassen sich um die 45 Millionen Jahre einstufen. Sie wurden z.B. Protocetus, Indocetus, Kutchicetus, Rodhcetus und Andrewsiphius genannt. Die Hinterbeine waren bei allen stark zurückgebildet. Sie hatten bereits verlängerte, feine Hand- sowie Fußknochen und dazwischen war wohl auch eine Schwimmhaut. Sie waren schon gute Schwimmer und konnten sich an Land nur noch wenig bewegen. Die Körperform war schon stromlinienförmig.

In der Zeit vor 40 Millionen Jahren gab es unheimlich viele weitere Walarten die entdeckt wurden, aber über die man nicht so viel lesen kann. Wahrscheinlich hatten sie keine Verbindung mehr zum Land und hielten sich nur noch im Wasser auf.

Dorudon

Dorudon

Dorudon – Bildquelle: wikipedia.org Bildautor: Eva Kröcher

Hierbei wird Dorudon immer wieder genannt. Er wird als primitiver Wal beschrieben, der in etwa vor 40 – 33 Millionen Jahren lebte. Seine Fossilien wurden in Ägypten, Tunesien und South Carolina gefunden. Er war etwa 5 Meter lang und wog eine halbe Tonne. Sein Hals war relativ lang und sein Schädel hatte eine Länge von ca. 60 cm. Sein Gehirn war klein und er besaß noch keine Melone. Er konnte sich nur schlecht per Echolot orientieren.

Man vermutet, dass Dorudon – wie die heutigen Wale –  eine Fluke hatte. Er besaß noch voll ausgebildete Vorderbeine, die noch nicht für die Steuerung genutzt wurden. Zum Atmen musste er seinen kompletten Kopf aus dem Wasser strecken, da er noch kein Blassloch ausgebildet hatte.
Seine Zähne waren sehr spitz; dadurch konnte er Fische und Kalmare jagen und fressen. Dorudon lebte schon in Gruppen und brachte auch seine Jungen im Schutz der Gemeinschaft zur Welt. Dorudon starb aus, als sich durch den Klimawandel die Meere abkühlten.

Auch nach Dorudon gab es viele weitere Arten, die sich in die Evolution der Wale einordnen lassen.

Zahnwale

Vor etwa 20 Millionen war es dann soweit, es entstanden die heutigen Zahnwale. Bei den Zahnwalen entwickelte sich eine große und breite Vielfalt. Delfine, die eine sehr große Unterordnung der Zahnwale einnehmen, tauchten vor etwa zwölf Millionen Jahren auf.

Bartenwale

Die Bartenwale, wie wir sie heute kennen, entstanden vor etwa 15 Millionen Jahren. Die Bartenwale und Zahnwale durchliefen unterschiedlich Entwicklungsphasen. Die Bartenwale ernähren sich überwiegend von Kleintieren (auch sehr kleinen Fischen) und Plankton. Ihr Gebiss entwickelte sich zu den so genannten Barten – das sind kammartige, ausgefranste Hornscheiben. Damit sind sie in der Lage, ihre Nahrung aus dem Wasser heraus zu „sieben“. (Die Barten wurden früher für die Herstellung von Korsetts verwendet).

Die Zahnwale – zu denen auch die Delfine gehören – haben meist kegelförmige Zähne, die im Ober und Unterkiefer zu finden sind. Die Zähne sind für sie sehr vorteilhaft, da sie überwiegend Fische fressen. Einige regionale Schwertwalgruppen (die größten der Delfine: Orcas) haben sich auf Robben und auch auf Delfine und andere Walarten spezialisiert. Zu den Zahnwalen gehören auch die Pottwale (sind aber eine eigene Unterordnung) – auch sie haben Zähne; allerdings nur im Unterkiefer (Pottwal und Schnabelwale). Alle Zahnwale jagen mit Echoortung.

Kurz zusammengefasst

Die Veränderungen vom Urzeittier bis heute – innerhalb ca. 50 Millionen Jahren:

  • Die Hinterbeine verschwanden und wurden zu einer Schwanzflosse (Antrieb).
  • Die Vorderbeine bekamen zuerst Schwimmhäute und später entwickelten sich daraus Brustflossen (Steuerung).
  • Eine auffällige Flosse kam hinzu, die Rückenflosse.
  • Die Körperform entwickelte sich stromlinienförmig und die Geschlechtsorgane wanderten ins Körperinnere.
  • Die Haare verwanden weitgehend (Erklärung unter Anatomie), die Haut wurde wasserdicht und glatt.
  • Die Schnauze verlängerte sich und das Gebiss passte sich an die Nahrung an.
  • Die Nasenlöcher wanderten an die Kopfoberseite und wurden zum Blassloch (2 Blaslöcher bei den Bartenwalen)
  • Die Luftatmung blieb erhalten.
  • Die Augen sind geblieben, passten sich aber für die Sicht unter Wasser besser an, als an der Oberfläche.
  • Die Organe wie Nieren, Herz und Lunge wurden größer.
  • Die Geburt lebender Junge blieb erhalten und auch das Säugen mit Muttermilch.
  • Der Geruchssinn verschwand fast vollständig.
  • Die Funktionsfähigkeit der Ohren ging verloren.

Viele Millionen Jahre und viele Veränderungen.

Wissenschaftler, Forscher, Walexperten sowie Liebhaber suchen und forschen weiter… – es werden sicherlich noch weitere Fossilien gefunden und die Molekularbiologie wird weitere Überraschungen oder auch Bestätigungen an den Tag bringen.

Warten wir einfach ab, was noch kommen wird! 🙂

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