12. März 2018

Island – Reykjavik Whale Watching mit gleichzeitiger Walabschlachtung

Unglaublich, aber so ist es!

Island jagt seit 2003 wieder Zwergwale (Minkwale) und die vom Aussterben bedrohten Finnwale. Die Zwergwale werden für den heimischen Verzehr, aber auch für den Tourismus gefangen. Die Finnwale werden überwiegend nach Japan exportiert, obwohl die Nachfrage sinkt und die Lager voll sind wollen sie noch mehr Wale töten.

 

Island ein Urlaubsland

Island ist ein Inselstaat im Nordatlantik und zählt zu Nordeuropa. Reykjavík ist die Hauptstadt Islands und die am nördlichsten gelegene Hauptstadt der Welt. Die Küste der Stadt ist geprägt von (Halb) -inseln, Höhlen und Meerengen. Es gibt fast keine Sehenswürdigkeiten und trotzdem boomt der Tourismus in Reykjavík. Touristen kommen in Scharen: Deutsche, Amerikaner, Briten, Italiener und Griechen. Auf der Suche nach Nordlichtern (Aurora borealis) und Walen.

Welche Walarten gibt es in Island?

Minkwale, Finnwale, Blauwale, Seiwale und Buckelwale.

 

Bejagt werden:

Finnwale (Balaenoptera physalus) werden bis zu 26 Meter lang und sind nach dem Blauwal die zweitgrößten Säugertiere auf der Welt. Sie kommen in allen Ozeanen vor, jedoch in gemäßigten eher küstennahen Gewässern der Südhalbkugel.
Finnwale sind bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, da ihre Population sehr stark gefährdet ist. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen sind sie im Anhang I gelistet, deshalb gilt für Finnwale ein absolutes Handelsverbot.

Zwergwale (Minkwale – Balaenoptera arcutorostrata) sind die kleinsten Furchenwale, die noch sehr häufig vorkommen. Es gibt sie in drei isolierten Populationen: im Nordatlantik, im Nordpazifik und auf der Südhalbkugel.
Der sauerstoffreiche Nordatlantik vor Island stellt einen reich gedeckten Tisch für die Meeressäuger bereit, denn in diesen Gewässern gibt es viele verschieden große Fische im Überfluss.

Seiwale (Balaenoptera borealis) wurden früher gejagt. In manchen Jahren gibt es noch geringe, genehmigte Quoten – diese werden aber nicht ausgenutzt. Zuletzt wurden 1989 Seiwale gejagt.

Wale kommen rund um ganz Island vor

In Reykjavík gibt es die Faxaflói-Bucht, das ist ein sehr beliebtes Walbeobachtungsgebiet. Außer Blauwalen kann man besonders häufig Buckelwale und Zwergwale sehen, auch Delfine und Finnwale können beobachtet werden. Aber genau dort werden 80 Prozent der Isländischen Fangquote des Zwergwals gefangen.

Die sehr großen Finnwale werden meist außerhalb der 15 Meilen Küstengewässer gejagt. Da die Tiere zu groß sind, um sie auf einem Fabrikschiff zu verarbeiten, werden sie nach dem Töten an der Seite der Schiffe festgemacht und in den Hafen geschleppt. Dort werden sie zur Verarbeitung in eine Fischfabrik gebracht.

Saisonzeit:

Jedes Jahr beginnt die Saison auf die Großwaljagd Anfang April, allerdings kommt es auf die Wetterlage an wann die Saison wirklich startet. Meistens fahren die Boote erst 2-3 Wochen später raus aufs Meer. Saisonende ist Ende August – Anfang September.

Grausame Jagd:

Fangschiffe fahren zum Beispiel von Reykjavik aus los. Sie heißen Hvaldur 8 und 9. Diese Fangschiffe haben schwenkbare Harpunen an Bord, deren Stoßkraft mit einer Kanone verglichen werden kann. Trifft die Harpune einen Wal, explodiert der Harpunenkopf und treibt viele Widerhaken in den Walkörper. Der Wal hat fast keine Chance zu entkommen. Doch in der Praxis ist alles anders.

 

© Dagur Brynjólfsson 
Originalbild

Eigentlich sollte die Harpune die lebenswichtigen Organe der Tiere treffen, um einen qualvollen Tod zu verhindern. Die Sprengharpune darf nur von einem bestimmten Winkel aus abgeschossen werden – die Waljäger halten sich aber nicht daran. Sie treffen durch unsachgemäße Bedienung die Wale irgendwo am Körper, wodurch diese einen sehr qualvollen Tod sterben. Sie leiden stundenlang, bis ihr Leben beendet ist. Aber: Mitgliedsstaaten der IWC sind dazu verpflichtet Tötungsmethoden einzusetzen, die das Leiden der Wale auf ein minimales Maß reduzieren.

Island und die IWC:

Im Gegensatz zu Norwegen gab es von Island erst einmal keinen Einspruch gegen das Moratorium der IWC. Island jagte aber im Kleinen noch weiterhin Wale vor seinen Küsten. Ab 1989 ca. 60 Wale pro Jahr. Im Jahr 1992 trat Island aus der IWC aus.
Aber im Jahr 2002 traten sie erneut bei, diesmal aber mit einem sehr umstrittenen Vorbehalt gegen das Moratorium. Einige Nationen sind noch immer gegen Islands Mitgliedschaft und erkennen sie nicht an. Island legte ein fünfjähriges Forschungsprogramm vor und tötete von 2003 – 2007 – 200 Zwergwale.

Ab 2006 wurde der offizielle kommerzielle Walfang trotz Verbot wieder eingeführt.
Kurz vor dem Wechsel des Fischereiministers im Jahr 2009, hob dieser noch einmal die Walfangquote für 2010 an. Beide Walarten wurden daraufhin massiv gejagt, doch die Quoten wurden nicht erfüllt. Deshalb schlug 2011 das isländische Meeresforschungsinstitut HAFRO vor, die Quoten nochmals um 20% zu erhöhen.

Auch erklärte das Institut, die Zwergwaljagd auf das CM-Gebiet in der Grönlandsee auszuweiten. Das Gebiet liegt 650 km nordöstlich von Island. Auch Norwegen jagt dort Wale. Das Isländische Ministerium für Fischfang bekommt jedes Jahr eine Empfehlung vom staatlichen HAFRO-Institut und legt daraufhin die Quoten fest.

Quoten von 2003 – 2017

Die vom Ministerium herausgegebenen Quoten werden nicht erfüllt, da die Nachfrage zu gering ist.

Island gibt heute zwei Gründe für den Walfang an:

Das Ministerium behauptet, dass die hohe Zwergwalpopulation dafür verantwortlich sei, dass sich die Fischbestände dezimieren und die Fischer nicht mehr genug abfischen können. Natürlich ist diese Aussage völliger Blödsinn, denn es dürfte langsam bei jedem Fischer – egal in welchem Land – angekommen sein, dass die ständige Überfischung der Grund für den Zusammenbruch der Fischbestände ist! Hier wird wieder einmal der Wal zum Sündenbock gemacht!

Der zweite Grund: man möchte nun das Fleisch fast ausschließlich exportieren. Man hatte sich jahrelang etwas vorgemacht zu glauben, dass eine große Nachfrage im Inland besteht. Nun gibt auch Island offen zu, dass sich der Walfang allein für den heimischen Markt nicht mehr lohne. Deshalb versucht man unter allen Umständen das Fleisch in andere Länder auszuführen.

Finnwal-Fleisch:

Seit Wiedereinführung (2006) des kommerziellen Walfangs auf Finnwale, hat Island Verkaufsschwierigkeiten. Die Finnwale werfen viel mehr Fleisch ab, als der Zwergwal. Der Finnwal ist etwa zehn Mal so groß. Im Jahr 2007 berichtete die isländische Presse, dass 179 Tonnen Finnwal-Fleisch auf Mülldeponien entsorgt wurden. Und das dürfte nicht das einzige Jahr gewesen sein. Sie versuchen nun das Fleisch an Japan zu verkaufen. Aber Japan nimmt nicht jedes Jahr gleich viel Finnwal-Fleisch ab. Mal mehr, mal weniger. Zum einen, weil das Finnwal-Fleisch stark mit Giften belastet ist und zum anderen, weil Japan selbst genug Wale jagt und die Lager voll hat.

Ausschließlicher „Finnwal-Fänger“ Kristján Loftsson

Der Inhaber des Walfangunternehmens Hvalur hf ist Islands größtes Walfangunternehmen und das einzige Unternehmen, das die bedrohten Finnwale jagt. Der Inhaber ist Kristján Loftsson. Er ist auch der Vorstandsvorsitzende von dem Fischereiunternehmen HB Grandi. Die Fischmanufaktur Deutsche See GmbH in Bremerhaven ist ein Hauptabnehmer für Fisch und Meeresfrüchte von HB Grandi.

HB Grandi vermietet Fabrikgebäude auf dem Gelände ihrer Fischfabrik in Akranes an Hvalur hf. Dort wird das Finnwal-Fleisch zerlegt und für den Export verpackt. Aber wie wir ja schon wissen, gibt es zunehmend Probleme, das Walfleisch in Japan an den Mann – bzw. Frau – zu bringen. Außerdem gibt es zunehmend Schwierigkeiten mit den Exportwegen, da die Länder, die das Walfangmoratorium unterschrieben haben, die Schiffe mit Walfleisch nicht durchfahren oder anlanden lassen.

Doch Hamburg und Bremerhaven lassen immer noch Schiffe anlanden, damit das Fleisch auf andere Schiffe umgeladen werden kann. Bei meiner Recherche ist mir deshalb fast der Kragen geplatzt, eine unglaubliche Frechheit, wie ich finde.

Erledigt sich der Finnwal-Fang in Island?

2016 und 2017 wurden – trotz Quoten – keine Finnwale gejagt. Der einzige Finnwal-Fänger, Kristján Loftsson gab an, dass sich der Finnwal-Fang nicht mehr lohnen würde. Ich hoffe, es wird dabei bleiben.

 

Zwergwalfleisch:

Zwergwalfleisch wird überwiegend für den einheimischen Markt gejagt. Auch hier macht sich Island etwas vor, denn das Fleisch ist nicht beliebt. Das Zwergwalfleisch wird auch nur sehr schlecht angenommen. Laut eines Forschungsberichtes, wird der inländische Bedarf auf 5 – 15 Tonnen pro Jahr geschätzt. Nur etwa 1,1 % konsumieren wöchentlich Walfleisch – nur 5 % der Bevölkerung gab an, überhaupt Walfleisch zu essen.

Island versucht den Walfleischverkauf für Zwergwale anzukurbeln, indem sie sich große Werbekampagnen einfallen ließen. Neue kreative Walfleischrezepte wurden entwickelt und viel Geld dafür ausgegeben. Sie sorgten dafür, dass Zwergwalfleisch in über 100 Läden, Restaurants und Supermärkte verkauft wird. Sie konzentrieren sich im großen Maße auch auf Touristen, indem sie Ihnen vorgaukeln, als sei Walfleisch ein traditionelles Gericht auf Island. Dem ist aber nicht so.

Wie sich herausstellte, ist es tatsächlich so, dass ausschließlich Touristen Zwergwalfleisch essen. Jeder der dort Walfleisch bestellt, ist mitverantwortlich für die Waljagd! Mehrere NGOs (Nichtregierungsorganisation), sowie auch die Walschutzorganisation WDC starteten daraufhin Aufklärungskampagnen auf Island. Nun gibt es sehr viele Restaurants, die kein Walfleisch mehr verkaufen und stattdessen mit Aufklebern als walfreundliches Restaurant werben.

Umfragen zufolge gaben Touristen an Walfleisch zu probieren:

2009: 40%
2012: 20 %
2015: 18%

Ein guter Erfolg! Die Aufklärungen müssen weiter gehen! Island ist ein schönes Land, keine Frage, aber bitte verzichten Sie auf Walfleisch und sprechen sie sich gegen den Walfang aus! Die Wale lebend zu beobachten ist viel schöner.

Verschwendung von Leben:

Die Walfangschiffe, die Zwergwale jagen, sind groß genug, um die Zwergwale direkt auf dem Fabrikschiff zu verarbeiten. Es werden nur die beliebten Teile herausgeschnitten und die anderen Körperteile werden sofort wieder über Bord geworfen.

Verarbeitung zu Hundefutter. Immer wieder werden viele Tonnen Zwergwalfleisch zu Hundefutter verarbeitet, da die Isländer weiterhin der Meinung sind, das Walfleisch nicht gut schmeckt.

Walfleisch allgemein weißt eine hohe Belastung mit Schwermetall auf. Deshalb werden große Mengen Finnwal-Fleisch vernichtet.

Proteste

Zum Beispiel:
Bereits im Jahr 1978 war Greenpeace mit dem Schiff Rainbow Warrior in Island, um den Walfang zu stören. 1979 schossen Schiffe von Hvalur, Harpunen gegen die Walschützer und rüsteten daraufhin ihre Flotte mit Schiffen der Küstenwache als Begleitschutz aus. Immer wieder gab es Übergriffe und die Isländische Küstenwache beschlagnahmte Greenpeace-Boote.

Auch im Jahr 2013 protestierte unter anderem Greenpeace im Hafen von Hamburg. Gegenstand des Protestes war die Cosco Pride Shipping Company, diese lies Walfleisch von Island nach Japan transportieren. Die Container wurden in Hamburg umgeladen. Die Firma Samskip aus Island beauftragte die Firma Evergreen Marine mit dem weiteren Transport von Walfleisch. Nach den Protesten stellte sowohl Samskip, als auch Evergreen Marine den Transport ein.

Aber auch in Island selbst gibt es mittlerweile Widerstand gegen den Walfang. Denn es hat sich dort – seit Jahren – eine Whale-Watching-Industrie entwickelt und ist nun eine wichtige Einnahmequelle für die Isländer. Um die 200 000 Touristen jährlich buchen Walbeobachtungen in Island. Sie bringen dadurch einen Umsatz von etwa 13,5 Millionen Euro ins Land. Es kommt immer wieder vor, dass Touristen Wale beobachten möchten und dabei aber eine grausame Abschlachtung zu Gesicht bekommen.

Trotzdem ist – laut einer Umfrage – die Mehrheit der Einheimischen immer noch für den Walfang. Denn sie möchten nicht auf ihre Tradition und auf ihre unabhängige, selbstbestimmende Entscheidung in dieser Angelegenheit verzichten. Auch wenn der geringe wirtschaftliche Nutzen längst kein Geheimnis mehr ist. Sie wollen den internationalen Protest einfach nicht verstehen und dem auch nicht nachgeben.

Was muss die IWC tun:

Dafür gibt es nur eine Lösung. Harte Strafen für diejenigen, die sich nicht an die Vorschriften halten. Die IWC muss endlich Sanktionen einführen. Hohe Geldstrafen, Quotenentzug und Handelssanktionen. Auch ein Ausschluss von Mitgliedsstaaten aus der IWC, sollte zu den Möglichkeiten der IWC gehören.

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